Neulich hatte ich mal wieder das Vergnügen, eine Diskussion zum Thema Jagd zu führen, die man nicht unbedingt als solche bezeichnen kann.
Da ich selber seit mehreren Jahren mit Bekannten zur Jagd gehe (selber habe ich aus Kostengründen allerdings keinen Jagdschein) und das sehr schön finde, möchte ich mich hier nun darüber auslassen.
Bei diesem Thema scheiden sich bekanntlich die Geister und so hoffe ich, dass sich der eine oder andere eventuell in meinen Gedanken wiederfindet oder ich zumindest zum Nachdenken anregen kann.
Gleich vorweg: ich sehe die Jagd nicht als “Sport” an, den Titel fand ich nur passend, weil ich vor Jahren mal ein Plakat gesehen habe, auf dem Leute sich unter diesem “Slogan” gegen die Jagd ausgesprochen haben.
Besagte Diskussionen sind häufig von der Tatsache geprägt, dass ich mir mit den “Antijägern” einfach nicht einig werden kann, da deren Argumente für mich nicht schlüssig sind.
Allen voran das “Argument”, Jäger hätten Spaß am Töten und seien grausam.
Bedauerlicherweise handelt es sich bei den Antijägern, mit denen ich ab und zu auf dieses Thema komme, durchweg um Leute, die zwar Fleisch essen, die Tiere aber nicht töten könnten. Na herzlichen Glückwunsch!
Noch bedauerlicher ist es allerdings, dass besagte Antijäger dann nicht, wenn sie schon keine Vegetarier sind, zumindest ausschließlich Bio-Fleisch verzehren, sondern auch solches aus Massentierhaltung.
Das Fleisch von Tieren aus Massentierhaltung zu kaufen bedeutet, dass man diese Haltung unterstützt und demnach trägt man eine Mitverantwortung bzw. eine Mitschuld an dieser Haltung. Es sind nicht etwa die Bauern die Bösen, sondern die Verbraucher, denn solange die Nachfrage besteht, wird sie auch befriedigt werden.
Somit wage ich nun, daraus den Schluss zu ziehen, dass besagte Antijäger eine Mitschuld an der Haltung, dem schrecklichen “Leben” und dem – wenn auch schnellstmöglich herbeigeführten – sicher recht unschönen Tod dieser Tiere haben.
Da stellt sich mir die Frage: Ist das wirklich weniger schlimm, als ein Tier zu erschießen, das in seinem natürlichen Lebensraum geboren wurde und aufgewachsen ist bei seiner Mutter, das allen seinen Bedürfnissen nach Nahrung, Bewegung und sozialen Kontakten in einem angemessenen Maß nachgehen konnte und ein Leben geführt hat, was man als solches bezeichnen kann?!
Meine Antwort auf diese Frage ist jetzt unschwer zu erraten, sie lautet NEIN.
Nein, das ist nicht weniger schlimm und jeder, der glaubt, Dinge wie Massentierhaltung gingen ihn nichts an und man könnte daran sowieso nichts verändern, der ist sich seiner Verantwortung nicht bewusst!
Soviel zum Spaß am Töten, ich kann dieses Argument höchstens dann ernst nehmen, wenn es von jemandem angeführt wird, der konsequenter Vegetarier ist oder zumindest ausschließlich Bio-Fleisch verzehrt.
Solange dies nicht der Fall ist, sind solche Äußerungen in meinen Augen von den Leuten ein Vorwurf an sich selber und nicht an Jäger.
Ein weiteres, gerne vorgebrachtes Argument ist, dass der Eingriff in das Ökosysthem des Waldes und Feldes gar nicht notwendig sei und – Überraschung – von den Jägern nur aus Spaß am Töten durchgeführt würde.
Was für eine schöne Vorstellung: Die Wälder werden immer kleiner, die landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt ebenfalls ab, aber die Tiere des Waldes finden weiterhin genug Nahrung vor und passen ihre Population ganz von selber den Umständen an.
Zurück zur Realität: Nahrung würden die Tiere eventuell durchaus genügend vorfinden. Fragt sich nur, ob das im Sinne der Bauern wäre, wenn ihre Felder abgefressen werden. Den Bäumen tut Verbiss übrigens auf die Dauer auch nicht besonders gut.
Natürlich würde sich irgendwann der Wildbestand anpassen, da es aber kaum mehr natürliche Feinde für das Wild gibt, würde dies durch Straßen geschehen. Irgendwann wird die Wildpopulation in einem Waldstück einfach zu groß und ein Teil der Tiere wird dann expandieren, um anderen Lebensraum zu erschließen – der vermutlich aber ebenfalls schon besetzt sein wird. Das muss ja nichts heißen, Stichwort Survival of the Fittest, aber irgendwer wird dann wieder ausweichen müssen und da sind Landstraßen kein Hindernis mehr (falls sie das überhaupt je waren). Die Folge wären mehr Wildunfälle und dadurch eventuell mehr Verkehrstote – auf beiden Seiten.
Wenn es um die Wildpopulation geht, hilft meiner Ansicht nach auch nicht der Vorwurf, dass man das Wild nicht füttern soll, da sich dann der Bestand von selber verringern würde.
Zunächst wird das Wild nicht überall gefüttert und wenn doch, dann nur in festgelegten “Notzeiten”, in denen der Bestand ansonsten zu drastisch verringert würde oder aber Wildschäden (Verbiss, Felder…) zu befürchten wären.
Ich beziehe mich hier auf wirkliche Fütterung, nicht auf Kirrungen, der Unterschied ist Antijägern leider meist nicht bekannt. Kirrungen dienen tatsächlich zum Anlocken und Schießen des Wildes und werden meist dann eingesetzt, wenn der Bestand einer Art so hoch ist, dass er unbedingt eingedämmt werden muss.
Natürlich kann man jetzt hingehen und sagen “Aaaber vieleeiiiicht wäre das ja auch ganz anders!” Und WIE, bitteschön, wäre es?! Das konnte mir bisher leider noch kein Gesprächspartner hinreichend beantworten, aber die Vorstellung, es wäre alles ganz anders, ist schön, das muss ich zugeben :P
Das alles soll nicht heißen, dass ich jede einzelne Seite der Jagd gutheiße, dass ich selber Vegetarierin wäre und dass sich alle Jäger immer absolut vorbildlich benehmen, das vermag ich überhaupt nicht zu beurteilen.
Zudem bin ich durchaus in der Lage, Vorbehalte und Kritik gegenüber der Jagd zu respektieren.
Mich ärgert es lediglich, wenn Leute sich über Dinge beschweren und sie als Tierquälerei abtun, ohne überhaupt jemals dazu bereit gewesen zu sein, sich damit konstruktiv auseinanderszusetzen.
So, wie gesagt, ich hoffe, ich konnte zum Nachdenken anregen oder zumindest für Unterhaltung sorgen :P
